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Sardinien im Winter – ein Selbstversuch

Wir sind keine Skifahrer und träumen an kalten Wintertagen gerne vom Meer und von wärmender Sonne. Schon seit Jahren werfen wir dann immer mal wieder einen neugierigen Blick in den Wetterbericht: Wie ist es denn eigentlich auf Sardinien im Winter?

Letztes Jahr war es dann so weit. Kurz vor Weihnachten haben wir uns auf den Weg gemacht. Normalerweise reisen wir mit einem Campingbus, aber diesmal haben wir uns für eine Kombi aus Ferienwohnung und Camper entschieden. Unser Nugget ist nämlich nicht so isoliert wie ein großes Wohnmobil und für echtes Wintercamping nur begrenzt geeignet. Unsere Recherche ergab maximal drei im Winter geöffnete Campingplätze auf Sardinien und unsere bisherige Erfahrung sagte uns, dass diese Information vermutlich nicht ganz zuverlässig ist… Wenn keine Gäste da sind, bleibt das Tor auch schon mal verschlossen oder der Campingplatz ist eine halbe Baustelle. So ging es uns jedenfalls vor einigen Jahren an Ostern. Die über Weihnachten gebuchte Ferienwohnung in der Nähe von Cagliari war also unsere Garantie für ein Badezimmer und eine warme Dusche in der Mitte der Reise.

Auch Cagliari stand schon lange auf unserer Liste. Um viel Zeit in der Stadt zu verbringen, war es uns im Sommer immer viel zu heiß. So lockte hier das archäologische Museum mit seiner Ausstellung über die Nuraghenkultur und ein Bummel durch die Altstadt. Es schien uns außerdem sinnvoll uns dorthin zu begeben, wo die Einheimischen leben, um geöffnete Läden und vielleicht auch einmal ein Café oder Restaurant zu finden.

Ankunft auf Sardinien

Als wir dann am 21. Dezember früh am Morgen als eines der ersten Fahrzeuge von der Nachtfähre rollen, ist es in Golfo Aranci gerade erst dämmrig und wir beschließen langsam zu starten und uns erst einmal einen Frühstücksplatz mit Ausblick zu suchen. Beim ersten Tee des Tages geht vor uns über dem Meer die Sonne auf.

Um es etwas abzukürzen: es soll nicht der einzige Sonnenaufgang dieser Reise bleiben. Wir fahren zuerst die Ostküste hinunter. Fast alle Häuser am Meer sind verwaist, die Hotels sind geschlossen und nur selten stehen einige Autos auf einem der Parkplätze. Es ist nicht schwer einen schönen Platz zu finden und bald steigen unsere Ansprüche ins Unermessliche: ohne Meerblick geht gar nichts. Und da auch auf Sardinien im Winter die Sonne erst gegen 8 Uhr am Horizont erscheint, muss man nicht mal früh aufstehen, um ihr dabei zuzugucken.

Das Wetterglück ist uns hold in den ersten Tagen und wenn die Sonne auf den Strand scheint, sitzen wir barfuß im warmen Sand. Verzieht sie sich, machen wir lange Spaziergänge am Meer. Tagsüber ist es in unserem Bus meist warm genug, um die Tür offen zu lassen, und auch am Abend kommt die Heizung kaum zum Einsatz. So erscheint die Ferienwohnung im Vergleich zur Camperfreiheit nach den ersten fünf Tagen erst einmal wenig verlockend. Aber der Blick in den Wetterbericht belehrt uns eines Besseren: es bleibt noch zwei Tage warm, dann steht uns Regen bevor.

Umzug in die Ferienwohnung

Eine Ferienwohnung hatten wir schon lange nicht mehr – auch wenn uns diese etwas ernüchtert. Die tolle Terrasse mit Meerblick, die auf den Fotos zu sehen war, liegt eine Etage höher und gehört eigentlich zur Wohnung der Vermieterin, die Heizung ist ein elektrischer Heizlüfter (einer für die ganze Wohnung) und die »Küche« verfügt über eine Kochplatte und eine Mikrowelle. Da ist unsere Busküche besser ausgestattet. Dafür haben wir hier ein Bose Soundsystem und eine edle Dusche mit Massagedüsen…

Leicht frustriert kürzen wir unseren Aufenthalt in der Ferienwohnung um zwei Tage, fühlen uns dann aber nach einer Phase der Umgewöhnung doch ganz wohl. Zur Abwechslung machen wir Ausflüge und versuchen abends auf einer Kochplatte ein leckeres Essen zu zaubern. Wir lernen Kochplatte und Heizlüfter nicht zur gleichen Zeit zu benutzen, weil dann im ganzen Haus die Sicherung rausfliegt. Wir entdecken die frischen Orangen, die man auf Sardinien im Winter an jeder Ecke kaufen kann und die Qualitäten unseres Mini-Backofens, probieren uns durch die Dolci Sardi, die es in jeder Bäckerei zu kaufen gibt und versuchen vergeblich ein halbwegs essbares Brot zu finden.

Hinter der Bastione di Saint Remy beginnen die Gassen der Altstadt von Cagliari. Rechts von diesem Tor liegt eine riesige Sonnenterrasse auf der es auch ein Café gibt.

Die Ausstellung im Archäologischen Museums in Cagliari über die Nuraghenkultur der Bronzezeit auf Sardinien ist einzigartig.

Besuch in Cagliari

Am 24. Dezember fahren wir zum ersten Mal nach Cagliari und besuchen einen recht ungewöhnlichen Weihnachtsmarkt, sitzen an der Bastione di Saint Remy auf der Terrasse des Caffè degli Spiriti in der Sonne und lassen den Ausflug in einem der Strandcafés am Poettastrand ausklingen. Hier ist ordentlich was los, denn der Strand ist auch mit dem Fahrrad oder dem Bus von Cagliari zu erreichen. In der Lagune zwischen Stadt und Meer fressen dutzende Flamingos – noch mehr, als hier im Sommer zu sehen sind.

Den einzigen richtigen Regentag verbringen wir dann im Museum und tauchen ein in die Zeit der Nuraghenkultur. In den Vitrinen im Museum stehen eine beindruckende Sammlung an Bronzetti, der kleinen Figuren aus der Bronzezeit, die vor allem Krieger aber auch Tiere und wenige Alltagsszenen darstellen. Außerdem ist gerade auch eine Sonderausstellungen mit den riesigen Steinkriegern zu sehen, die am Monte Prama auf Sinis gefunden wurden. Sie ähneln den kleinen Bronzetti sehr, sind aber überlebensgroß. Entdeckt wurden die Figuren allerdings in vielen Bruchstücken, die man über 40 verschiedenen Figuren zuordnen kann. Man geht daher davon aus, dass das Heiligtum am Monte Prama von Feinden des Nuraghenvolkes gewaltsam zerstört wurde.

Sieht fast aus wie in der Wüste: Am breiten Sandstrand an der Spiaggia Su Giudeu sind im Dezember nur wenige Spaziergänger unterwegs.

Zurück in den Norden

Am Ende unserer Zeit in der Ferienwohnung haben wir nochmal vier Tage, um zum Hafen zurückzufahren. Von Lieblingsort zu Lieblingsort wollen wir uns die Küste hinaufarbeiten. Das erste Ziel sind die langen Strände westlich von Cagliari. An der Spiaggia Su Giudeu treffen wir tatsächlich auf einen geöffneten Wohnmobilstellplatz, an dem wir windgeschützt die Nacht verbringen. Noch ein Stück weiter in Porto Pino gibt es dann einen weiteren Platz mit Strom und Entsorgung auf einem ganzjährig zugänglichen Parkplatz. Aber wir wollen noch weiter zur Hochebene Giara di Gesturi mit ihren kleinen Wildpferden. Die letzte Station soll am Sylvesterabend die Halbinsel Sinis sein.

Auf Sardinien gibt es viele Spuren der Besiedelung aus der Stein- und Bronzezeit, die man alle auch im Winter besuchen kann. Das hier ist das Nuraghendorf Serra Orios.

Auf der Giara erleben wir noch einmal, was uns schon am Anfang unserer Reise faszinierte: im Winter ist Sardinien grün. Die meisten Pflanzen der Macchia sind immergrün. Auch die größeren wie Korkeiche und Steineiche behalten ihre Blätter, so dass man nur wenige Bäume mit kahlen Ästen zu sehen kriegt. Der Erdbeerbaum trägt Blüten und Früchte gleichzeitig und ab und zu leuchten auch andere Blüten aus der Vegetation. Auf den Hochebenen bei Dorgali sind wir sogar durch fettes, grünes Gras gewandert – ein wirklich ungewöhnlicher Anblick auf Sardinien. Der Pauli Majori auf der Giara di Gesturi hat dann viel Wasser und die Pferdchen suchen sich zu dieser Jahreszeit wohl andere Plätze – jedenfalls begegnet uns nur eine kleine Gruppe. So wenige Pferde haben wir hier noch nie gesehen.

Die kleinen Wildpferde auf der Giara di Gesturi sind im Sommer ziemlich zuverlässig an der Wasserfläche des Pauli Maiori anzutreffen. im Winter ist das schwieriger, weil es auch an anderen Stellen der Hochebene genug zu fressen gibt.

Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Weg nach Sinis und erleben die nächste Überraschung. Auf dem kleinen Platz hinter dem Strand von Pallosu stehen bereits fünf Wohnmobile. Bisher sind wir nur vereinzelt anderen Campern begegnet. Die Surfbretter auf dem Dach und die wehenden Neoprenanzüge am Gepäckträger verraten den Grund: in der Bucht treffen sich die Surfer – auch die mit Wohnmobil.

Sylvester am Strand

Der 31. Dezember ist noch einmal ein Sonnentag und ein kleines Geschenk. Wir verbringen den Vormittag mit Buch und heißem Tee am Strand und machen am Nachmittag eine kleine Wanderung. Um Mitternacht begrüßen wir das neue Jahr am Meer – ohne Feuerwerk aber mit Meeresrauschen und unter einem kugelrund am klaren Himmel leuchtenden Mond.

Der perfekte Anfang eines neuen Jahres – jedenfalls bis uns sehr früh am Morgen der auffrischende Wind unsanft aus dem Schlaf schaukelt. So treten wir die Fahrt zur anderen Inselseite etwas früher an, als geplant, denn windgeschützte Plätze sind auf Sinis eher rar. Auf der anderen Inselseite beruhigt sich der Wind, aber auf der Heimfahrt wackelt die Fähre doch beträchtlich und wir wissen jetzt, dass wir beide halbwegs seefest sind. Nachdem uns Wetter Online verrät, dass der Sturm auf Sardinien noch ein paar Tage weitertobt, beglückwünschen wir uns zu unserem Timing und blicken auf eine ganz besondere Reise zurück.

Sardinien im Winter? Jederzeit wieder!

Su Pallosu auf der Halbinsel Sinis am 31. Dezember 2017.

Sardinien im Winter – unsere Erfahrungen in Stichpunkten:

Das Wetter: Wir hatten in den letzten Tagen des Jahres Temperaturen an der Küste Sardiniens zwischen 8 und 21 Grad, so dass es kein Problem war im Camper zu übernachten. Auf der Passhöhe von Silana war aber die Straße mit erstem Schnee weiß überpudert, so dass Winterreifen nicht schaden können. Wir hatten während der Reise nur einen Tag mit Dauerregen und zwei bis drei Tage mit starkem Wind. Das ist aber auch immer Glücksache. Die Regenfälle haben in diesem Jahr wohl sehr spät eingesetzt und selbst das Wasser war lange warm. Wir waren nicht im Meer, andere zur gleichen Zeit Reisende jedoch schon.

Was kann man machen: In der Sonne sitzen, endlose Strandwanderungen an beinahe menschenleeren Stränden, wandern an der Küste, nuraghische Stätten ohne Gedränge besichtigen. Die meisten Museen und archäologischen Stätten waren an Weihnachten wieder Erwarten geöffnet. Köstliche frische Orangen essen!

Unterkunft:

Hotel: Die meisten Hotels und viele Ferienwohnungen an der Küsten sind im Winter geschlossen. Wir haben unsere Unterkunft über booking.com gefunden. Touristeninformationen, die Unterkünfte vermitteln könnten, sind im Winter ebenfalls geschlossen. Einfach vor Ort suchen ist daher nicht erfolgversprechend. Buchen Sie besser vor und achten Sie bei der Wahl ihrer Ferienwohnung darauf, dass sie eine Heizung hat.

Camping: Als ganzjährig geöffnet gelten der Camping Telis und der Camping Le Cernie bei Arbatax und der Camping Nurapolis an der Westküste auf der Halbinsel Sinis. Einen ganzjährig frei zugänglichen, aber nicht besonders schönen, kostenpflichtigen Wohnmobilstellplatz gibt es in Porto Pino. Am anderen Ende der Insel kann man am Stellplatz Punta Maragnani am Ortsrand von Valledoria unterkommen. Der Platz ist einfach, hat aber eine V/E und tolle Stellplätze über dem Meer. Mit dem Wohnmobil frei stehen, kann man zu dieser Zeit fast überall.

Versorgung: Läden und Restaurants finden Sie nicht in den Touristenorten an der Küste, sondern in den Städten in denen Einheimische leben. In Cagliari waren auch die Strandcafés geöffnet, ansonsten haben wir nur noch am Lido Orri bei Tortoli ein offenes Café am Meer gesehen. Sie Strandrestaurants und Strandhotels sind geschlossen.

Sardinien mit Kindern, 4. Auflage 2018Literatur: Der frühe Winter und das Frühjahr sind auf Sardinien eine sehr gute Zeit zum Wandern. Die passenden Ausflüge in die wilde Natur der Insel gibts in unserem Wanderführer »Sardinien mit Kindern«. Eigentlich ist das Buch speziell für Familien konzipiert, die Tourenvorschläge eignen sich aber auch sehr gut für Erwachsene, die das Wandern eher entspannt angehen möchten.

Unser Fazit: Sardinien im Winter ist das perfekte Reiseziel für alle, die einsame, wilde Landschaften mögen und die es im Hochsommer eher in den Norden zieht. Die Temperaturen sind ähnlich und außerhalb der Sommersaison reist man auch auf Sardinien durch einsame Landschaften. Es ist viel einfacher als im Sommer mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, und statt einer Insel mit buntem Touristenspektakel erlebt man einfach das ganz alltägliche Sardinien.

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